Ich versuche schon seit Wochen meiner Faszination für das Insel-Thema in Form eines Textes Audruck zu verleihen. Die Entwürfe stapeln sich und dennoch bin ich nicht fähig irgendetwas allgemein Verständliches zu schreiben. “Der Herr der Fliegen”, “Robinson Crusoe”, “Die geheinmnisvolle Insel”, “Cast Away”, “The Beach”, “Lost”, “Paradise Lost”, “Der Schmale Grat”, alles hat irgendwie mit dem zu tun was verloren scheint und neu erobert werden kann um dem eigenen Selbst Ausdruck zu verleihen. All diese Werke sind Ausdruck ihrer Zeit und ihres Menschenverständnises. Robinson Crusoe ist im Grunde ein Rassist der eine damals natürlich erscheinende Gesellschaft aus Herr und Sklave etabliert. Jules Verne baut eine Insel aus Technokraten, die ihre Welt bis zu einem Maße strukturieren aus der sie nur noch ein ehemals misanthropischer gott-gleicher Übermensch befreien kann. Deus Ex Machina. William Golding beschreibt seinen Eindruck der (männlichen) Menschheit indem er sie langsam auf ein Steinzeit-Niveau degradiert und einem Brechtschen “Das Fressen kommt vor der Moral” Leitbild folgen lässt, bis schließlich die Zivilisation in Form eines Offiziers auf dem Höhepunkt der Mikro-Apokalypse das Buch beendet. “Cast Away” zeigt die Entfremdung eines Menschen aus seiner (modernen) Umwelt mit quasi-pathologischen Zuständen wie man sie sich, um mal Hannibal Lecter zu zitieren, unter “tornado-bait-trailer-based-white-trash” vorstellt. Der moderne Mensch ist eigentlich immer allein und sinnlos in seiner Existenz. Oder wie der Kreter sagt: alle Kreter lügen. In “The Beach” sucht Leonardo (Wilhelm) di Caprio stellvertretend für die gesamte Generation X nach diesem Ort. Der Ort abseits des alltäglichen Wahnsinns der einen permanent betäubt. Was er findet ist eigentlich das Paradies, aber nachdem ein Schwede von einem Hai arg verstümmelt wird, merkt auch er, dass das Paradies immer genau dort ist wo die Menschen gerade nicht (mehr) sind. In der Serie “Lost” wird anscheinend versucht all dies zum umgehen: keine eindeutige Botschaft, keine simpel gestrickten Menschen. Jeder hat sein dunkles Geheimins und muss versuchen sein Selbst in der Konfrontation mit dem Überlebenskampf und der geheinmnisvollen Bedrohung durch die Insel, die permanent in das Sein der Protagonisten hineinzuspielen scheint, zu überleben. Spannend? Nein. Eigentlich ist das nur die übliche Soap Opera ohne ein Dach über dem Kopf mit ein bißchen Akte X . Was bleibt dann noch?
Man kann endlich mal versuchen die “Insel” nicht als Schauplatz, sondern als Kollateralschaden darzustellen (und das ist nicht religiös gemeint). 1998 gab es dieser Hinsicht einen großen Kampf zwischen Kommerz & Kunst den kaum einer bemerkt zu haben scheint. “Saving Private Ryan” vs. “The Thin Red Line”. Spielberg hat mir eine Geschichte erzählt und Malick mich verändert. Malick verheizt Hollywoodstars rigoros bis zu einem Zustand von absoluter Belanglosigkeit (wie es dem Kriegsthema angemessen scheint) und Spielberg erzählt ein Märchen mit Happy End. Worauf ich hinaus will: “The Thin Red Line” ist der beste Film der Welt. Mit Abstand. Es gibt keine Antworten - nur Fragen.
Was passiert aber nun wenn Herr Malick einen weiteren Film namens “The New World” dreht?
“Pocahontas Reloaded” oder “Eve Reloaded”?
Ich erwarte nichts und bin dennoch gespannt.