Subterranean Homesick Alien

Morgen ist meiner erster Arbeitstag im neuen Job. So zynisch der Rahmen hier klingen mag, freue ich mich doch sehr drauf. Vor allem vielleicht weil ich nicht weiß was mich erwartet. Außer viel Arbeit.
Dabei fällt mir mal wieder auf, dass sich mein Leben in den letzten Jahren vor allem durch eine hartnäckige Abwesenheit von Langeweile auszeichnet. Geschätzte 65 % der Zeit empfinde ich dies allerdings als eher negativ.

Achja und noch die drei Dinge die mich meiner Meinung nach zu einem modernen Menschen machen:

1) Seit ich schreiben kann, hadere ich mit den Regeln der Interpunktion. Speziell im Bereich der Kommasetzung. Eine Anleitung ist dringend erwünscht. Sprachtelefon?

2) Ich habe nie eine endgültige Handschrift entwickelt. Die Ergebnisse sind immer unterschiedlich. Ich warte daher seit Jahren auf meine erste Anklage wegen Dokumentenfälschung und die erste Diagnose einer Persönlichkeitsstörung aus dem Lager der Graphologie(idioten). Vielleicht hätte ich doch Arzt werden sollen? Ich erinnere mich an eine Studie, die untersucht wie viele Menschen jährlich auf Grund unleserlicher Ärtzehandschrift sterben. Viele? Weiß nicht mehr… Immerhin einige.

3) Ich kann analoge Uhren nicht (in annehmbarer Zeit) lesen. Fasziniert beobachte ich Menschen denen ein kurzer Blick genügt um die Uhrzeit abzulesen.

Und warum ist das modern?
Weil es mit jeder verstreichenden Minute an Bedeutung verliert.

The Heart Of Darkness

Vor Jahren schon bin ich über Apocalypse Now auf Josephs Conrads The Heart Of Darkness aufmerksam geworden.
In Neuseeland habe ich dann endlich mal in der ersten größeren Buchhandlung danach gesucht und bin untern den Oxfords World´s Classics prompt fündig geworden. Wie so oft bei Klassikern , die von Intellektuellen für Intellektuelle intellektuell und natürlich sehr anspruchsvoll aufgearbeitet werden wird auch hier jedes einzelne Wort genau abgewogen und bei Bedarf erklärt. Man ist halt gebildet.
Sarkasmus beiseite: in diesem Fall wird die Hilfe von mir dankbar angenommen. Shakespeare finde ich leichter. Shakespeare ist für mich in seiner Sprache brillant, poetisch und zeitlos. Conrad ist brillant, malt mit seinen Worten beeindruckende, lebhafte Bilder und ist sehr in seiner Zeit verhaftet, wobei die zu Grunde liegenden Themen zeitlos sind. Es geht um Menschen die versuchen (müssen) außerhalb des sicheren Gefüges der Zivilisation zu bestehen oder in einer, für sie (und Conrad), völlig fremden Gesellschaft leben.
Bisher habe ich nur die 3 “Other Tales” des Buches gelesen. Was hatte ich erwartet von einem Polen der Englisch als zweite Fremdsprache gelernt hat und sein Leben auf See verbracht hat?
Wohl irgendwas auf der Ebene von spannenden Abenteuergeschichten in 0815 Englisch, in denen man nach Belieben einen eigenen gesellschaftskritischen Unterton finden kann. Dem ist überhaupt nicht so. Seine Sprache und seine Gedanken sind genial. Die Protagonisten in “An Outpost Of Progress” erinnern unweigerlich an ein Kafka Szenario im tiefsten Afrika.
Die Unterschiede in den Motiven der “Kolonisierenden” und der “Kolonisierten” werden in keinster Weise gewichtet oder beurteilt. Das Fehlen des vermeintlich zivilisatorischen Überlegenheitsgefühls und der zu erwartenden Arroganz wirkt schon fast befremdlich. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall: das Verhalten der ehemals kleinen Rädchen im Getriebe der modernen Gesellschaft in ihrer neuen “wilden” Umgebung wird mitunter polemisch beleuchtet und ihr Scheitern am Außenposten der Zivilisation gnadenlos dargestellt. Die vorgeblich universell gültige Vorherrschaft bürgerlicher, zivilisierter Werte scheitert schnell sobald einzelne durchschnittliche Mitglieder der Gesellschaft gezwungen sind außerhalb dieses Systems zu funktionieren.
“Karain: A Memory” schildert die Lebensgeschichte eines “wilden” Freundes dessen Probleme zunächst lächerlich und primitiv erscheinen aber schließlich eine Dimension erreichen, auf der sie für jeden Menschen verständlich wird. “Youth: A Narrative” ist “Der Alte Mann Und Das Meer” in der Version für den Anfang des Lebens.
Die “Other Tales” sind gut zusammengestellt. Sie zeigen nicht nur die literarische Entwicklung Conrads auf (die wie gesagt meiner Meinung nach von Anfang an auf einem schwer zu erreichenden Level statt fand), sondern liefern auch eine thematische Hinführung auf die zentrale Erzählung, die ich wie gesagt noch nicht kenne.
Was ich von ihr erwarte ist eine Kombination dieser Themen. Eine echte Reise in das Herz der Finsternis.
Der Döner mit alles und scharf bitte. Zum hier essen.
Darkness…

The mother of all smokescreens

Klar gibts es andere, wichtigere Themen momentan, aber keins finde ich so unterhaltsam wie dieses. Über einen Artikel in Telepolis bin ich auf den Auftritt des britischen Parlamentariers George Galloway vor einem Untersuchungsausschuss des US Senats aufmerksam geworden. Ich bin mir nicht sicher wo ich diesen Menschen einzuordnen habe und bitte ihn mit Vorsicht zu genießen; man mag auch über die dort angesprochenen Themen geteilter Meinung sein, aber die Vorstellung die Mr. Galloway dort liefert ist grandios. Ich habe selten erlebt, dass ein “Angeklagter” seine Ankläger so auseinander nimmt. Ich empfehle daher dieVideoaufzeichnung dieses Auftritts. Die Real und Windows Media Versionen unterscheiden sich dabei in ihrer Länge. Die WMV Version ist nur ein relativ kurzer TV Mitschnitt. Die Real Version bietet den kompletten “Auftritt”.
Prädikat: “…and I want to point out areas where there are - let’s be charitable and say errors.”

Eclipse

mond

Sorry, aber so fühl ich mich gerade:

All that you touch
All that you see
All that you taste
All you feel.
All that you love
All that you hate
All you distrust
All you save.
All that you give
All that you deal
All that you buy,
Beg, borrow or steal.
All you create
All you destroy
All that you do
All that you say.
All that you eat
And everyone you meet
All that you slight
And everyone you fight.
All that is now
All that is gone
All that’s to come
And everything under the sun is in tune
But the sun is eclipsed by the moon.

There is no dark side of the moon really. matter of fact it’s all dark.

Ja ich bin auf “Song-Text-Zitier-Niveau” herabgesunken und fühl mich trotzdem irgendwie wohl dabei. Wobei ich “Fitter Happier” von Radiohead eben als zu zynisch ablehnen musste.
My United States of Whatever…