The Eraser
Thom Yorkes erstes Soloalbum macht seit einigen Wochen seine ersten (illegalen) Schritte im Internet und auch ich musste ihm dabei heute unter die Arme greifen.
Meine Meinung zu diesem Werk:
Da ich mich sowohl verwandt als auch verschwägert mit jeglichen Radiohead Produkten fühle, verweiger ich die Aussage und nehme mein Recht auf Meinungsfreiheit wahr: ich bin (bisher) frei jeglicher Meinung. Das ist aber bitte nicht negativ auszulegen.
Nur ist es eben mit dem Radiohead Universum so eine Sache. Der Einstieg in diese Musik funktioniert (bestenfalls) wie ein umgekehrter Drogenentzug. Und wenn man dann drin ist, variiert die nächste Dosis gerne mal so stark von der bekannten Substanz, dass man von vorne beginnen muss. Oder man lässt es.
“Kid A” lag 2000 unter dem Weihnachtsbaum, konnte gerade noch vor einer weihnachtlichen familiären Uraufführung bewahrt werden (danke!), wurde von mir einmal gehört, für total abgefahren und unhörbar bewertet und für Monate weggelegt. Nebenbei stieg es ohne Werbung, Singles oder Videos auf Platz 1 der US Charts. War mir egal. Ich wollte ein zweites “OK Computer”.
Nachdem “Kid A” aber in einem leichtsinnigen Moment unter internen Protesten in meinen CD-Wechsler tja, eingewechselt wurde, nahm die Epiphanie ihren Gang. Alles weitere wird hier gesagt:
Even the heralded OK Computer has been nudged down one spot in Valhalla. Kid A makes rock and roll childish. Considerations on its merits as “rock” (i.e. its radio fodder potential, its guitar riffs, and its hooks) are pointless. Comparing this to other albums is like comparing an aquarium to blue construction paper. And not because it’s jazz or fusion or ambient or electronic. Classifications don’t come to mind once deep inside this expansive, hypnotic world. Ransom, the philologist hero of C.S. Lewis’ Out of the Silent Planet who is kidnapped and taken to another planet, initially finds his scholarship useless in his new surroundings, and just tries to survive the beautiful new world.
(…)
The experience and emotions tied to listening to Kid A are like witnessing the stillborn birth of a child while simultaneously having the opportunity to see her play in the afterlife on Imax. It’s an album of sparking paradox. It’s cacophonous yet tranquil, experimental yet familiar, foreign yet womb-like, spacious yet visceral, textured yet vaporous, awakening yet dreamlike, infinite yet 48 minutes. It will cleanse your brain of those little crustaceans of worries and inferior albums clinging inside the fold of your gray matter. The harrowing sounds hit from unseen angles and emanate with inhuman genesis. When the headphones peel off, and it occurs that six men (Nigel Godrich included) created this, it’s clear that Radiohead must be the greatest band alive, if not the best since you know who. Breathing people made this record! And you can’t wait to dive back in and try to prove that wrong over and over.
Brent DiCrescenzo, Pitchfork
OK und warum höre ich ein Album und schreibe über ein anderes? Wahrscheinlich weil ich bei jeder neuen Radiohead Kreatur, die auf mich losgelassen wird, zurückschaue und mich an Klassikern festhalte, ohne wirklich zu erkennen, dass ich mal wieder einen Meilenstein vor mir habe.
Aber:
Baby alligators in the sewers
Grow up fast
Grow up fast
Radiohead, Fog
Danke Julia
PS: Spiegel Online vergibt 10 von 10 Punkten für “The Eraser”.




