Theodyssee

Die Theodizee [ˌteodiˈt͜seː] (frz. théodicée, v. altgriech. θεός theós „Gott“ und δίκη díke „Gerechtigkeit“) ist ein klassisches philosophisches und theologisches Problem für diejenigen religiösen Traditionen, die von der Existenz eines allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gottes ausgehen. Es besteht in der Frage, wie die Existenz eines solchen Gottes mit der Existenz des Übels oder des Bösen in der Welt vereinbar sei.

Theodizee, Odyssee, Wikipedia

Kontrollillusion

Vermutlich ist es noch zu früh die mediale Nachlese zum Amoklauf in Winnenden zu kommentieren. Zu nah ist die menschliche Tragödie, die anscheinend auch ein gesellschaftliches Versagen impliziert. Und zu unreflektiert und emotional getrieben sind die ersten Kommentare (verständlicherweise), die sich bisher in den Medien finden.
Aber der Vorbehalt, den ich hier äußere, ist gleichzeitig das Problem. Es erscheint allzu menschlich im Angesicht einer Katastrophe schnell Gründe zu erfragen um Unerklärliches erklärbar zu machen. Vorschnelle und simple Erklärungsmuster bieten sich an, ja drängen sich mitunter auf.
In diesem Zusammenhang ist mir eben eine Argumentation aufgefallen, die mir sehr bekannt vorkommt:

Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: “Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt”, so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: “Da sollten wir nachbohren.”

Günther Beckstein, Spiegel Online

Mir geht es nun nicht um die Frage ob so genannte Killerspiele gewaltätiges Verhalten fördern, sondern um die Art wie hier argumentiert wird. Ähnliches findet sich beispielsweise auch in “Bowling for Columbine” in Bezug auf Marilyn Manson:

Some will be so brash to ask if we believe that all who hear Manson tomorrow night will go out and commit violent acts. The answer is “no.” But does everybody who watches a Lexus ad go and buy a Lexus? No. But a few do.

Bowling For Columbine, YouTube Link

Durch diese Form der Argumentation wird der Konsum bestimmter Medieninhalte als eine Ursache für Gewaltaten dargestellt und nicht - was ich für plausibler halte - als Symptom. Die Verbindung zwischen einem Gewaltakt und einem vermeintlich singulären Einfluss führt zur Dämonisierung des zuvor benannten Auslösers mit dem impliziten Ziel eine einfache Erklärung zu bieten. Als Lösung drängt sich zwangsläufig auf, diese gewaltverherrlichenden Einflüsse auszuschalten und auf diesem Weg Prävention zu betreiben. Werden jedoch Lösungsansätze wie diese gewählt, ergibt sich daraus eine zunehmende Zensur und darüber hinaus wird der der Blick auf die wahren Ursachen verstellt.
Die Gesellschaft verliert doppelt. Und langfristig exponentiell.